Das Ostsee- und Moorbad Cranz/Ostpr. ein Abriss der Geschichte (Auszug aus meiner "Chronik von Cranz")
I. Einleitung A. Hinweis Zur Vereinfachung wird das Gebiet um das spätere Ostseebad Cranz hier auch schon vor dem Zeitraum seiner Entstehung mit "Raum um Cranz" bezeichnet, ungeachtet der verschiedenen Bezeichnungen und Schreibweisen! Zum besseren Verständnis der geschichtlichen Zusammenhänge, beschränkt sich diese Chronik nicht auf die reinen, Cranz-bezogenen, sondern enthält auch alle wichtigen samländischen und preußischen Daten. B. Vorbemerkungen Das Ostsee- u. Moorbad Cranz - das heute Selenogradsk genannt wird - war das erste und auch größte königlich-preußische Seebad an der Ostseeküste. 1945 hatte das Bad rd. 6.000 Einwohner, alle städtischen Einrichtungen waren aber für ca. 30.000 Einw. ausgelegt. So gab es neben Trinkwassertiefbrunnen (150 m tief), vollausgebauter Kanalisation - getrennt nach Gebrauchs- und Regenabwasser mit modernster Kläranlage - ein eigenes Elektrizitätswerk, eine Gasanstalt, große Gemeindegärtnerei, Stadtreinigung mit Kehrmaschine und Sprengwagen sowie ein Moor- und Seewasser-Warmbad. 40 gemütliche Restaurants und Hotels sowie 55 Pensionate sorgten für eine gute Versorgung der Vieltausend Kur- und Tagesgäste. Dazu kamen noch die unzähligen Kurgäste, die bei Familien im Ort Unterkunft fanden. Die Kurverwaltung verfügte zeitweise über 5 Musikpavillons, in denen u.a. das Kurorchester und z. T. auch Militärkapellen aus Königsberg die Gäste unterhielten. Dazu hatten noch fast alle Hotels an der Promenade sowie viele Restaurants im Ort eigene Tanz- u. Unterhaltungskapellen. Die ca. 1,5 km lange Uferpromenade, der Seesteg sowie die vielen gepflegten Promenaden- und Wanderwege im Kurgarten, Plantage mit Storchenteich und Tennisplätzen sowie im parkähnlich angelegten Cranzer Wald mit seinen vielen Ausflugslokalen luden zum Flanieren und Spaziergängen ein. Der breite Cranzer Strand mit seinem feinen, fast steinfreien Sand und der für die Ostsee einmalig kräftige Wellenschlag, sorgten für Entspannung und Erholung. Der Aufenthalt in Cranz war so gesund, dass sogar das 1904 gebaute Krankenhaus bereits 1934 wieder, wegen Mangel an Patienten, seinen Betrieb einstellen musste! Nicht zu vergessen die Ausflugsmöglichkeiten mit den Fischersegelbooten auf die See oder den Dampfern auf dem Haff mit Anlegemöglichkeiten zum Besuch der schönen Nehrungsorte. Nicht von ungefähr fuhren im Sommer täglich Sonder-Ferienzüge von Berlin, Breslau und Dresden nach Königsberg mit 33,3% Ermäßigung incl. Weiterfahrt nach Cranz. Am 1. Juli fuhr der Sonderzug ab Berlin direkt - ohne Umsteigen - bis Cranz durch. Das einst kleine Fischerdorf und Postkutschenstation hatte sich in wenigen Jahrzehnten zur mondänen, international anerkannten Perle unter den Osteebädern entwickelt. Am 4. Februar 1945 wurde Cranz kampflos von sowjetischen Truppen besetzt!
C. Vorwort Die urkundlich nachgewiesene Geschichte des Samlandes, und somit auch die vom späteren "königlichen" Ostsee- und Moorbad Cranz, reicht kaum in die Zeit vor die Besitzergreifung durch den Ritterorden zurück. Aber unser Boden und die darin gefundenen Zeugen aus der Vorzeit, sagen viel über die uralte Geschichte aus. Die Einschlüsse im Bernstein zeigen uns, welche Insekten und Pflanzen hier einst zu finden waren. Die Grabbeigaben und -anlagen bezeugen, wie unsere Vorfahren gelebt und mit wem sie Handel getrieben haben. Der Boden erzählt uns von einem ca. 1400 m breiten und 10 m tiefen "Gatt" bzw. "Tief" zwischen Friedhof und "Klein Thüringen", das die See, nach Entstehung der Nehrung, mit dem Haff verband; von der weit ausladenden Wasserfläche des Haffs, die bis fast an die spätere Bahnstrecke bei Bledau und Gut Wargenau reichte und von nordischen Schiffen, die dort bei dem Handelsplatz "Selburg" ankerten. Von hier aus betrieb man einen lebhaften Handelsverkehr mit Skandinavien. Frühzeitig schon war unser Cranzer-Gebiet besiedelt. Die Inhalte der ausgedehnten Gräberfelder der Kaup und Kunterstrauch sowie Dollkeimer Berg aus der älteren Stein-, Bronze- und frühen Eisenzeit bestätigen das. Obwohl als Urzelle von Cranz der vom Orden 1282 errichtete Krug "Kranta-Krug" (Kranz-Krug) angegeben wird, sollen schon vor dieser Zeit Jäger, Vogelfänger und Beerensammler hier in Schilfhütten gelebt haben. Die Ansammlung der ersten Ur-Bewohner- Hütten soll den Ortsnamen "Pillkoppen" getragen haben (pruzzisch prähistorisch "Siedlung"). Der Ortsname "Cranz" (anfangs: Kranz/Krantz) wird von dem kurischen (und pruzz.?) Wort "Krantas" abgeleitet, was "abgebrochener/steiler Uferrand" bedeutet. Der damalige Steiluferrand lag mind. 10 km weiter seewärts, vom heutigen Uferrand gesehen und war dicht bewaldet! Der offizielle Ortsname war zunächst "Kranz-Kuhren" bzw. "Krantz-Kuhren". Der Name "Samland" soll von dem Namen des 2. Sohnes des sagenhaften Pruzzen-Königs Widewud (Widewuto), vormals König von "Klein Cymbria" (Gotland), "Samo" abgeleitet worden sein. Allerdings kann, anderen Quellen zur Folge, "Samland"auch aus dem pruzzischen Wort "ich schöpfe" ("semlu" oder ähnlich) - bezogen auf "Bernstein schöpfen" abgeleitet worden sein - d.h. verdeutscht: "Land der Bernsteinschöpfer". Es gibt aber noch eine Reihe von anderen Namen, die z. T. auf Karten oder in alten Aufzeichnungen zu finden sind. Der ursprüngliche pruzzische Name für das Samland war wohl mit ziemlicher Sicherheit: "Ulmerigien". |
II. Die geschichtliche Entwicklung von CRANZ - Zeittafel
A. Frühgeschichte
1. Von der Vorzeit bis zum Ende der Eiszeiten - Bernstein-Fichten-Wälder auch im Raum Cranz??? 2. Zeit nach der letzten Eiszeit (120 - 10.000 v.u.Z.) - Entstehung der Ostsee und Kurische-Nehrungs-Insel-Kette sowie d. Haffs, erste Menschen im Samland in kleinen Horden 3. Steinzeit (8.000 - 2.000 v. u. Z.) - Ostsee wird zum heutigen Binnensee - Erste Jäger, Beerensammler u. Bernsteinschöpfer im Raum Cranz (Grabfunde, Horn- u. Knochengeräte, Feuerstein-Kleingeräte, FSt-Beile, Schaftlochäxte) - Bernsteintauschhandel mit Jütland u. Skandinavien - Die Nehrungs-Insel-Kette liegt noch weiter nordwestlich (seewärts) (4.000 v. u. Z.)
4. Bronzezeit (1.800 - 750 v. u. Z.) - Die Nehrung besteht immer noch aus mehreren Inseln. Die dazwischen liegenden "Gatts/Tiefs" sind z. T. vorübergehend zu und dann wieder offen. (1.200 v. u. Z.) - Das "Brokist -Gatt" NO Cranz bleibt nach dem "Zusam- menwachsen" der Nehrungs-Inseln das einzige befahr- bare Gatt/Tief - Erste Teilbesiedelung durch Jäger u. Händler, Schilf- Lehm-Bauten entstehen, erste Tiere domestiziert, erste Ansätze der Ackerbaukultur (Hackbau/ Pflugkultur) Bandkeramik Grabfunde: Münzen weisen auf Handel (Bernstein, Pelze u. Wachs) mit römischen und arabischen Händlern hin. Die Ostseeküsten schienen zu dieser Zeit fast vollständig unter der Vormachtstellung arabischer Händler zu stehen! 5. Eisenzeit (ab 750 v. u. Z.) - reger Handel vor allem mit Bernstein, das arabische u. röm. "Silbergeld" wird hier nur nach dem "Silbergewicht" als Zahlungsmittel anerkannt
6. Erste geschichtliche Kunde über das Samland - Kaiser Nero ließ Bernstein aus dem Samland auf der Bernsteinstraße nach Rom holen - röm. Schriftsteller Plinius (54 u. Z.) - Tacitus erwähnt den Bernstein in der Germania (98) - Brandgrabstellen weisen auf Teilbesiedlung des Raumes um Cranz hin (350)
7. Ostgoten unter König Hermanerich - unterwerfen die"Aestier" (Samländer)(350) - Wikinger aus dem Gebiet Mälarsee landen im Raum Cranz und errichten am Haffufer (NäheWissecawten/ Wiskiauten) den Handelsplatz "Selburg" sowie eine Sied- lung auf der Nehrung (um 800)
8. Die Dänenherrschaft (890 -1210) - Sohn d. dän. König Harald II., Haquin, unterwirft die Samländer u. nennt sich "König von Samland" (ca.940) - Name "Pruzzen"/Bruzi/Prusai erstmals bezeugt (960) - - Adalbert von Prag wird von pruzz. Priestern - unter Weidelot Sikko - in der Nähe von Cranz geopfert (997) - Das Samland wird als "Ulmerigien" bezeichnet - König von Dänemark Kanut der Große unterwirft das Samland (1016) - das Samland wird als "Semland" bezeichnet und die Samländer/Samen werden in Urkunden auch als Pruzzen bezeichnet - dän. König Kanut der Heilige versucht die Samländer zu christianisieren (um 1080) - König Waldemar von Dänemark lässt sich im Samland nieder (um 1209 - 1210) - das Samland wird als "Samblandia" bezeichnet (1224) |
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B. Die Ordenszeit (1242 - 1525)
1. Lübecker beginnen mit "Stadtgründungen" im Samland (1242) - 2. Bistum "Samland" wird - ohne Christianisierung - eingerichtet (1243) das Samland wird im Lagerbuch König Waldemar II. (1249/1260) mit "Zambia" bezeichnet 3. Versuch der Unterwerfung wird abgewehrt (1252/ 53)
4. Vollendung der Unterwerfung der Samländer durch Ottokar v. Böhmen (1254/55)
5. Erster Aufstand der Samländer (1256)
6. Teilung des Samlandes zwischen Orden u. Bischof (1258)
7. Allgemeiner Aufstand der Samländer (1260/62)
8. Reste des Samlandes werden unterworfen (1265/70)
9. Ansiedlung von Sudauern auch im Raum Cranz(?) wg. der starken Bevölkerungsverluste durch die brutale Christianisierung des Ordens (1280)
10. Ritterorden errichtet Taverne "Kranta-Krug" und 2 Hütten für Vogelfänger im Raum Cranz (1282) eine "Falknerei" entsteht (Nähe Klein Thüringen); durch den rigorosen Holzeinschlag für die vielen Ordens-Bauten wird der Waldbestand um Cranz und der Nehrung stark geschädigt 11. Einfall der Litauer über die Nehrung Raum Cranz nach Pobethen, der Ort wird verwüstet (1283) 1,5 km SO Cranz wird Burg "Neuhaus" errichtet (1283) 12. Neuer Einfall der Litauer unter König Witten über die Nehrung mit schweren Verwüstungen (1309 - 1311) 13. Schlacht bei Rudau (1370) - Kuren wandern auf der Nehrung und den Raum Cranz ein (vor allem Fischer)(um1400) 14. Überfall durch Polen im >Großen Polnischen Krieg< (1453 - 1466) 15. Einführung der lutherischen Lehre (1523)
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C. Herzogtum Preußen (1525 - 1701)
1. Preußen wird Herzogtum unter dem ehem. Hochmeister Albrecht von Brandenburg (1525) - Das Gebiet um Cranz wird auf einer Karte als "Sudau" bezeichnet; Hinweis auf Teilbesiedelung und "Jäger". In der Nähe "Burg Sudau", Bezeichnung für das Samland "Samaiden" (1542) (möglicher Übetragungsfehler für "Rudau" wg. Ansiedlung von "Sudauern" 1280 in dieser Gegend - dieses Gebiet wurde noch lange als "Sudauer Winkel" bezeichnet!) - NO von Cranz wird eine Zollstation, daneben der Krug "Glomsack" (1813 abgebrannt) an der Poststraße nach Rossitten gebaut 2. In Königsberg wird eine Akademie gestiftet (1544)
3. Herzog Albrecht stirbt, sein Sohn Albrecht Friedrich tritt mit 15 Jahren die Erbfolge an (1568)
4. Johann Siegesmund v. Brandenburg erhält Preußen als Lehn (1609)
5. Herzog Albrecht Friedrich stirbt nach ca. 50jähriger Geisteskrankheit (1618) Preußen kommt unter die Herrschaft von Brandenburg
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D. Unter Brandenb. Kurfürsten (1626-1680)
1. Beginn schwedisch-polnischer Krieg (1626)
2. Schweden besetzen westl. u. nw. Samland (1629) Schwentlund als "Köllmisches Gut" entsteht 3. Schweden räumen das Land (1635)
4. Zweiter schwedisch-polnischer Krieg (1655-60)
5. Herzogtum Preußen wird souverän durch Wehlauer Frieden (1659)
6. Dritter schwedischer Krieg (1677/78) Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst fährt mit seinem Heer (Winter 1678) über d. Kurische Haff um die einge- fallenen Schweden zu vertreiben
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E. Unter der preußischen Königskrone
1. Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg wird in Königsberg als "König Friedrich I. in Preußen" gekrönt (1701) - Die Pest wütet im Samland u. auch in Crantzkuhren (1709 - 1711) - Bezeichnung "Krantzkrug" (1728) auf pr.Landkarte - Crantzkuhren wird Sitz des Wildbereiters (oberster Forstbeamter) für die Nehrung bis Nidden (1729) - Grenzen des Ortes Crantzkuhren werden festgelegt (1732) 2. Russen-Besatzung (1757 - 62) im Siebenjährigen Krieg. Auch in "Crantzkuhren" gab es eine Besatzungstruppe. Wieder wurde sehr viel Holz im Cranzer Wald und Nehrungswald eingeschlagen! Das Land verödete und versandete ganz allmählich. 3. Beginn der Verzeichnisse über den Ort Crantzkuhren und das kölmsche (freie) Gut mit Schenke "Crantzkrug" (1767) 4. Daten zur Bad-Entstehung - in Königsberger Zeitschrift "Preußisches Archiv" wird auf die Eignung als Bad hingewiesen (1793) - Beginn der Dünenanpflanzungen (1803) 5. Königin Luise flüchtet - nach kurzer Rast in Kranzkuren - auf der verschneiten Poststraße weiter nach Memel (1807) 6. Franzosenbesatzung (1807) - während franz. Besetzung Preußens sind Rheinlandtruppen in Cranz stationiert
7. Cranz wird Seebad - auf Vorschlag von Dr. Kessel - offizielle Anerkennung als Ostseebad. 2 Badezellen werden bereitgestellt (1816) - Errichtung eines Warmbadehauses u. Beginn der Anlage der Plantage im Nehrungswald (1817) - Forsthaus Grenz wird an d. "Brokist-Bucht" erbaut,(1820) - Beginn von Baumanpflanzungen und Anlage von Wegen (u.a. "Verlobungsweg") auf der "Palwe" NO von Cranz (1820) - Eröffnung des Großen Logierhauses(Holzbau) in Strandnähe (1821) (heute liegt dieser Platz bereits einige 10 m in der See!) - Baubeginn der Chaussee Königsberg-Cranz (1826) - Logierhaus brennt ab, (1835) - Mit Hilfe einer AG entsteht weiter landeinwärts am Corso ein größerer Neubau "Konversations- u. Logierhaus". Zeitweise ist der Ort überschwemmt, weil es keinerlei Strandbefestigungen gibt. (1842/43) - König Friedrich Wilhelm IV. besucht Cranz. Bewilligt Mittel für umfangreiche Anpflanzungen (1843) - Beginn der neuen Anpflanzungen unter Leitung Düneninspektor Senftleben. Die Birkenallee wird von Förster Röckner und Söhnen angelegt (1844) - Es werden immer noch Badekarren benutzt - "Kranzkrug" wird als "Vorwerk" zu Bledau gehörig aufgeführt, der Ort verfügt über 86 Wohngebäude(1844) - Als Ersatz für das von der See bei der Sturmflut weggespülte Warmbad entsteht ein neues mit "comfortablen Douchevorrichtungen". (1850) - 1. Tiefbrunnen gebohrt - 72 Fuß tief (1851) - Kirchenstraße wird gebaut, zunächst 23 Parzellen(1850) - Chaussee Königsberg-Cranz fertig. Der Verkehr erfolgt jetzt in "Journalieren" oder "Braken", Fahrzeiten verkürzen sich auf ca. 3 Std. Die neue Chaussee weicht z.T. von der alten Poststraße ab. (1852) - Uferbefestigungen mit Promenade werden angelegt, Pflasterung der Hauptstraßen, Kanalisation, Beleuchtung sowie ein Schlachthof werden gebaut (1854) - Bethaus am Marktplatz (Kl.Berlin) errichtet (1855) - Aussichtspavillion auf dem Gletscher "Dumkes Höhe" errichtet (1856) - Freilicht-Sommertheater, Errichtung einer Kolonnade mit Restauration am Mertensplatz (Plantagengarten) (1856) - Beginn des Dampferverkehrs nach Memel (1858) - Aussichtspavillion "Belvedere" (Nähe Tennisplätze) errichtet (1861) ? - das Waldhaus Restaurant mit Musikpav. wird auf dem Boden des ehem. Tiefs/Gatts errichtet (1862) - Telegraphenstation eingerichtet (1864) - das Waldrestaurant Fichtenhain mit Kolonnade wird im "Schweizer-Haus-Stiel gebaut (1865) - Erweiterung des Warmbadehaus (1870) - Herrenbad/Westbad errichtet (1875) - 2 Moorbäder-Zellen eingerichtet, Trinkkuren (Milch und Mineralwasser) (1883) - 200 Privathäuser, 2 Hotels, 8 Gasthöfe und z.T. jüdische Pensionate stehen für Kurgäste zur Verfügung. Im Warmbadehaus stehen 4 Zellen für Moorbäder bereit (1884) - Königsberg - Cranzer - Eisenbahn eröffnet (1886) - Bau der großen Hotels und neuer Straßenzüge (1886 - 1914) - Friedhof angelegt (1893) (1932 erweitert) - Übergang des königlichen Bades in den Besitz der Gemeinde; als Spende des Herrn von Batocki wird "Klein Potsdam" (See- und Fischerstraße) für die Flutopfer gebaut (1899/1900) - Krankenhaus an der Elch-Allee gebaut (1904) (1934 wg. >Unrentabilität< - Cranzer sind zu gesund - geschlossen)
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F. Die Neuzeit 1. I.Weltkrieg, Weimarer Republik, Inflation - schwere Zeiten für den Kurort (1914 - 1930) - Villenkolonie Westende entsteht (1918/20) - Siedlung Adolfshöhe (früher Gut Ziegenfeld) entsteht (1920/21) - das neue Schulgebäude am Bahnhof wird eingeweiht (1928) - die Gemeinde kauft vom Fiskus 40 Morgen Wald und Land (Plantage, Fichtenhain, Waldhaus u. Kl.Thüringen kommen zu Cranz) (1930) 2. Cranz in der Zeit von 1933 bis 1945 - das Ostsee- u. Moorbad Cranz erhält ein eigenes Wappen und Fahne mit Elchschaufel und Flunder ( 15. Mai 1937) - Königsberger Str. erhält eine Asphaltdecke und Gaslaternenbeleuchtung, viele Geschäfte erhalten neue Räume, die Promenade wird verlängert, der Fischerplatz West erhält eine Zugbrücke, Eisenbuhnen werden zwischen Waldhaus und " Kanonenstand" sowie in Richtung Rosehnen gebaut. - Cranz wird "Garnisionsstadt", gegenüber der Gasanstalt: Kasernenunterkunft und im Wald, Jagen 155 /132, eine Funkaufklärungsanlage zur Peilung von "Feindsendern". - Kino "Capitol" wird im Schmiedegang gebaut - Ostbad wird umgebaut und erhält die Gaststätte "zur letzten Laterne", das Westbad wird abgerissen, Kolonie Westende wird weiter ausgebaut, die Promenade erhält eine Lautsprecheranlage, der Friedhof wird erweitert, der Plantagengarten ausgebaut, die Tennisplätze werden erweitert, Storchenteich wird großzügig ausgebaut, Dumkeshöhe und Belvedere werden umgebaut, Rodelbahn und zwei Skischanzen entstehen. - Kriegsbeginn (1939), trotz Verdunkelung gehen Kur- und Badebetrieb weiter, eine "Propagandakompanie" kommt nach dem Frankreich-Feldzug zur Einquartierung nach Cranz, Dienststelle im Strandhotel; in der Kegelbahn des Ostseehotels werden belgische Kriegsgefangene einquartiert und gehen ohne Bewachung zur Arbeit; - die brit. und amerikanischen Flugzeuge überqueren bei den Angriffen auf Königsberg Cranz. Fliegeralarm - aber wir haben doch keine richtigen Luftschutzkeller, viele laufen in den Wald. Im Kurgarten werden provisorische Luftschutzbunker (Splittergräben) angelegt. _ Erste Flüchtlingstrecks kommen über die Nehrung und auch auf Schiffen über das Haff. - Der "Krieg" kommt näher - Letzte Weihnachten in Cranz
- Cranz wird kampflos aufgegeben, ca. 3000 Einwohner bleiben, im Vertrauen auf eine menschliche Behandlung durch die sowjetischen Truppen, im Ort ( 4. Februar 1945); Unser geliebtes Cranzche hört auf als deutsches Ostsee- und Moorbad zu existieren!
Der Cranzer Verwaltungsinspektor Karl Kannacher machte zu den Verlusten unter der Bevölkerung von Cranz folgende Angaben von den Besatzern getötet: 45 Selbstmordopfer: 34 auf dem Marsch nach Schloßberg ab 18. Feb. 1945 kamen mind, 116 Cranzer ums Leben die Anzahl der Cranzer, die auf der Flucht - z.T. bei Schiffsuntergängen - ihr Leben ließen, ist nicht mehr festzustellen, soll aber auch in die Hunderte gehen!
Die meisten Überlebenden des Todesmarsches nach Schloßberg kehrten nach Cranz zurück und hausten - soweit sie nicht nach Rußland verschleppt wurden - unter katastrophalen Lebensbedingungen bis zu ihrer Ausweisung nach "Rest-Deutschland" im Jahr 1948 vor allem im Südteil des Ortes. So manches Schicksal wird sich nicht mehr klären lassen! |
Klaus A. Lunau - Bahnhofstr. 14 - 30853 Langenhagen - Tel. 0511 773407 - Fax 0511 - 7684843
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Stand: Juli 2003