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Report aus Cranz/Selenogradsk III/2011 mmer noch ist die Promenade nicht fertig gestellt und somit die Welt - der Blick zur See - weiterhin durch den obligatorischen blau/weißen Metallzaun versperrt, bis auf die kleinen Teilbereiche Fischerplatz West und Ostbad.
Bild 1: „Müllablage“ unter der Promenade Foto: Lunau Zwar wurde gesagt, dass der Fertigstellungstermin zum Jahresende eingehalten würde – aber war damit wirklich 2011 gemeint? An dem Seesteg/Piers hat sich in der Zwischenzeit auch nichts geändert. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass meine Voraussage, die Pfahlreihen unter der neuen Promenade würden sich als Müllablageplatz und Toilette anbieten, voll eingetroffen ist. Trotz vieler „Erziehungsversuche durch Plakataktionen etc. sieht der „Reststrand“ jeweils in den Morgenstunden aus, als ob der Zweck von Mülltonnen sich bis hierher noch nicht herumgesprochen hat! Nachdem der Umbau des Wasserturms gute Fortschritte zeigte, kam eine neue, böse Überraschung: Plötzlich wurde amtlich festgestellt, dass in dem geplanten Café keine Gäste bewirtet werden dürfen, weil im Brandfall eine rasche Evakuierung nicht gewährleistet ist. Gemeinsam mit dem Bürgermeister von Selenogradsk/Cranz werden wir demnächst versuchen, das Projekt dennoch zu retten, ggf. unter Missachtung der Denkmalschutzbestimmungen (?)! Es wäre doch zu schade, wenn wir auf diesen schönen, Besucher anziehenden Aussichtsturm verzichten müssten. Eine Kommission aus Königsberg hat festgestellt, dass Selenogradsk/Cranz die bestgeplante und attraktivste Besucherroute von 71 begutachteten Routen im Königsberger Gebiet hat. Dafür wurde die Stadt ausgezeichnet. Zu verdanken ist das der von der Bibliothek und mit unserer Unterstützung geplanten und angelegten „Königin-Luise-Route“. Federführend auf russischer Seite ist dabei die nimmermüde Natalia Schumilova. Nicht zu vergessen ist die großzügige finanzielle Unterstützung durch den Verein „Freunde von Cranz/Selenogradsk“. So konnten wir die Silhouette von Königin Luise, Bänke im Pavillon, einen „Storch“ am Teich im Luisenpark sowie den Luisenpfahl anfertigen lassen bzw. kaufen. Dafür sei ganz herzlich Dank gesagt!
Bild 2: Königin Luise Park Standbild und Pavillon Foto: Lunau Ein auch im Fernsehen und der Presse viel beachtetes Ereignis war das „Kornblumenfest“ zu Ehren der Königin Luise, das in Zukunft jährlich stattfinden soll.
Bild 5: „Königin Luise mit Sohn und Tochter“ beim Kornblumenfest, die Darsteller kommen vom Museum Tarau. Foto: priv. Zu Beginn der Veranstaltung sprachen u. a. der Bürgermeister von Selenogradsk Popscheuj, der amtierende Generalkonsul Biermanns und von der Deutschen Welle Dr. Henning von Löwis of Menar. Eine Theatergruppe vom Museum Tharau unterhielt die zahlreichen Gäste mit Vorführungen und Gesang über das bzw. aus dem Leben der Königin und die Bedeutung der Kornblumen.
Bild 6: Besichtigung der neuen Parkanlagen mit Henning von Löwis of Menar von der Deutschen Welle, Valentina Lunau mit Tochter des Bauleiters, Bürgermeister Popscheuj und Klaus Lunau (von links) Foto: priv. Anschließend habe ich eine Ausstellung über das Leben der Königin eröffnet, die vom Ostpreußen Museum Ellingen erstellt und an uns ausgeliehen wurde. Diese Ausstellung ist bis mindestens Ende August in der Bibliothek und mit Teilen im Pavillon zu betrachten. Danach begaben sich alle Anwesenden zur alten Fahrposthalterei (Forsthaus Beekstraße), wo nach einigen weiteren Grußworten sowie Tanz- und Gesangsvorführungen eine Nachbildung des uns Cranzern bekannten „Luisenpfahls“ (bei Klein Thüringen) von der Hausbewohnerin Nona Schwarzmann und mir enthüllt wurde. Die Hausbewohner versorgten die Gäste mit Tee aus dem Samowar sowie Kuchen und Blinies (Pfannkuchen) etc. untermalt von Gesang und Lesungen selbst verfasster Gedichte über Königin Luise und so kam eine richtige Volksfeststimmung auf.
Bild 4: Enthüllung der Nachbildung des Luisenpfahls (v.l. Nona Schwarzmann, Konsul Biermanns, K. A. Lunau, Vizekonsul Daniel Lissner sowie der Künstler Anatolij Martijnov. Foto: Lunau Auch dieser Teil der Veranstaltung wurde vom Konsul Biermanns und Vizekonsul Daniel Lissner, der neu in sein Amt als Kulturreferent eingeführt wurde, begleitet. Leider haben jetzt alle Reisegesellschaften Cranz/Selenogradsk aus ihrem Besuchsprogramm gestrichen. Grund ist vor allem, dass es im Ort an den meisten Hotels keine Busparkplätze gibt, sowie die immer noch andauernde Sperrung der Promenade und der fehlende Zugang zur See. Ein anderer Grund ist allerdings auch die weiter zunehmende Zahl der Mückenschwärme in der Stadt, die auch die Hotelzimmer gerne als „Weideplätze“ aufsuchen. Wenn ich daran denke, dass zu unserer Zeit in der Stadt keine Mücken in den Wohnungen zu finden waren. Durch Sauberhalten z.B. des Storchenteichs und der Entwässerungsgräben sowie der Umwelt schlechthin, wurde den Mücken kein Brutplatz angeboten. Die blieben auf den Haffwiesen und im Haffwald um Fichtenhain und warteten auf Ausflügler!
Bild 3: Der kleine „Storchenteich“ im Luisenpark Foto: Lunau Wir hoffen ganz stark, dass recht bald eine Lösung der Parkplatznot sowie für die „Mückenbekämpfung“ gefunden und dann im nächsten Jahr auch Cranz/Selenogradsk wieder in den Reisekatalogen vertreten sein wird! Der Bürgermeister zeigte mir bei einem Rundgang, welche neuen Anlagen im Bereich der Plantage entstanden sind bzw. was noch geplant ist. So wird zurzeit die alte marode „Seufzerbrücke“ am Storchenteich durch eine aufwendige Neukonstruktion ersetzt, die noch im August in einem kleinen Festakt freigegeben werden soll. Auch ist bereits der kleine Storchenteich gereinigt und der große Teich wird folgen. Auch werden die Wege rundherum erneuert. Sogar die Insel soll wieder ein Storchennest erhalten - mit Storch.
Bild 7: Bau der neuen „Seufzerbrücke“ – Blick auf großen Storchenteich Foto: Lunau Der Wyneckenplatz ist inzwischen zu einem großen Festplatz für Open-Air-Veranstaltungen und auch Beachballturniere ausgebaut worden. An der Chaussee wurden große Parkplätze (auch für Busse) gebaut und der Wyneckenplatz wurde durch eine Verbindungsstraße an das öffentliche Netz angebunden. Fest eingeplant für dieses Jahr ist bereits ein All-Russisches-Beachballturnier sowie ein zwei Tage dauerndes Open-Air-Musik-Festival mit internationalen Bands und Gästen. Der Bereich Rettungsschuppen wurde in den Veranstaltungsbericht integriert. Alle bisher wilden Zufahrten in den Bereich wurden gesperrt. Von der Stadtseite aus wurden schöne Fußgängerwege angelegt, die sogar beleuchtet werden können. Die Zeit der verschlammten Wege und Veranstaltungsplätze ist zum Glück vorbei. Das ganze Plantagen-Park-Gelände wurde durch einen Holzzaun abgegrenzt und hat jetzt somit offiziellen Charakter. Der Bürgermeister hofft, dass durch diese Neugestaltung in Zukunft auch regelmäßig größere Veranstaltungen in die Stadt geholt werden können und somit der Ort mit der Zeit an dem guten internationalen Ruf von Cranz anknüpfen wird. Auch in der Königsberger Straße wird weiter gebaut. So weist z. B. ein allgemein üblicher blau-weißer Bauzaun an der Stelle, wo einst das Haus mit Kayser’s Kaffee-Geschäft, Radio Banke und Schuh-Rhese stand, darauf hin, dass das hier leer stehende Magazin-Gebäude umgebaut wird. Allerdings ist man sich noch nicht einig, was hier entstehen soll! Gedacht war zunächst an kleine Geschäfte im Parterre und darüber Wohnungen. Hier auch eine Tiefgarage anzulegen, stieß sofort auf harsche Kritik der Anwohner. Am alten Karstadt-Gebäude wurden zwar Fangnetze angebracht, aber sonst tut sich immer noch nichts! Gleiches muss ich auch von der Ruine am Korso sagen. Auf der von mir in meinem letzten Report gemeldeten Baustelle auf dem Fischerplatz West gehen die Arbeiten zügig voran. Hier soll letzten Informationen zufolge ein Flachbau mit einem Restaurant entstehen. Das würde sich ganz gut an die Umgebung anpassen und nicht, wie es erst hieß, ein mehrstöckiger Hotelneubau den Blick versperren.
Der Schulneubau an der Beekstraße geht auch seiner Vollendung entgegen und soll zum Ferienende bezogen werden. Dann können endlich die beiden Grundschulen in unsere alte Schule einziehen. Zurzeit wird ein Teil der Kirchenstraße erneuert, das heißt, dass dann die ganze Straße mit einem Asphaltüberzug versehen ist. Leider haben mal wieder nicht sehr sachkundige Arbeiter einen Teil der alten Bäume in der Kirchenstraße radikal beschnitten, sodass nur noch Stümpfe stehen. Auch am Bahnhof sind die großen Schlaglöcher in den beiden Zubringern verschwunden. Dadurch, dass nun eine weitere Buslinie (140 nach Königsberg direkt über die neue Autobahn) halbstündlich verkehrt, ist es am Bahnhofsplatz ganz schön eng geworden. Mit dieser Linie ist man nach ca. 25 bis 30 Minuten in Königsberg. Der Zugverkehr ist weiterhin auf nur wenige Züge beschränkt. Sicher kann ich in meinem nächsten Report über weitere neue Ereignisse berichten, da ich noch den ganzen Juli und August hier in Cranz sein werde. Ihr Klaus A. Lunau |
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Report aus Cranz/Selenogradsk II/2011 Das Hauptgesprächsthema in der Berichtszeit war wiederum der „Fertigstellungstermin des Promenadenneubaus“. Man fragt sich, wie lange noch der Zugang zur Promenade und der Blick auf die See durch diesen sterilen Metallzaun versperrt bleiben wird. Ein Badeort ohne Promenade und direkten Zugang zur See ist nicht gerade anziehend! Offen ist nach wie vor die Frage, was mit der Bauruine (ehemals Standort des Hotels Schloss am Meer) geschieht. Der Eigentümer, dem auch das ganze Areal des in Konkurs geratenen Sanatoriums gehört, ist, wie man hört „nicht aufzufinden“! Am Korso ist vor Monaten begonnen worden, eine Art Seesteg in Form eines Piers (eine Art Hafenmole) in ca. 6 Metern Breite und ca. 100 Metern Länge zu bauen (siehe rechts oben). Allerdings ist ein Weiterbau nicht zu erkennen. Es wird gemunkelt, dass für einen zügigen Weiterbau des gesamten Projekts zurzeit nicht genug Geld zur Verfügung steht.
Bild 4: Die Anfänge eines Seesteges? Wann und wie geht es weiter? Foto: Lunau Freute man sich, als endlich der erste Bauabschnitt am ehemaligen Fischerplatz West fertig gestellt wurde und somit wieder der Blick auf die See für Touristen, die vom Bahnhof durch die Seestraße zur See gingen, frei wurde, bekam diese Freude gleich wieder einen Deckel aufgesetzt! Das schöne Stück Freifläche am Fischerplatz mit seinen Blumenrabatten und Ruhebänken, verschwand plötzlich hinter einem neuen Metallzaun . Zwar gibt es nicht das sonst übliche Schild mit Baudaten und Abbildung, doch wie man sagt, wird hier ein „Hochhaus (?)“ hingebaut oder, wie von der Verwaltung zu hören ist, ein „Kaffee-Flachbau“. Jedenfalls ist nun wieder der direkte Zugang zur Promenade und See versperrt. Ob wenigstens der jetzige Zugang - wie auf dem Foto auf der vorherigen Seite - erhalten bleibt, ist abzuwarten.
Bild 2: Von Veränderungen am Fischerplatz West kündet der neue Bauzaun. Foto: Lunau Wie zu erfahren war, ist um den Wyneckenplatz der Bau eines Volleyball- oder Streetballplatzes für ein großes Turnier geplant. Um eine gute „Zufahrt“ für diese Veranstaltung zu gewährleisten, wurden im Stadtpark westlich des Friedhofs sehr viele Bäume gefällt. In den Dünen sollen Hotelanlagen etc. gebaut werden.
Bild 1: So sah der Fischerplatz noch vor kurzem aus. Foto: Lunau Ganz allgemein ist weiterhin eine starke Bauaktivität vor allem in Westende und „Klein Domnau“ (südl. des Wasserturm) zu beobachten. Auch werden die bisherigen Bauruinen ostw. der Waldhütte gegenüber dem Friedhof weiter gebaut. Der Wasserturm geht allmählich seiner Fertigstellung als Aussichtsplattform/Kaffee entgegen. Man hofft noch in diesem Jahr zu eröffnen.
Bild 3: Langsam, aber stetig geht es mit dem Cranzer Wasserturm voran. Foto: Lunau Im Cranzer Wald, etwa in Höhe Waldhaus, steht ein Turm, der meines Wissens nach zu unserer Zeit nicht gebaut wurde. Wer kann mir dazu etwas sagen? Ich bin der Meinung, dass wir auf jeden Fall den Bau mitbekommen hätten, er also aus der Sowjetzeit stammt. In einem Buch über Militärbauten ist jedoch zu lesen, dass der Turm (Flak-Turm) von der Wehrmacht um 1944 gebaut wurde! Am heutigen Krankenhaus soll eine Art Sanatorium/Reha-Zentrum gebaut werden. Ob dieses „Mückenhochburg-Gebiet“ gerade dafür geeignet ist, bleibt dahingestellt! Der Schulneubau an der Beekstraße geht auch so langsam seiner Fertigstellung entgegen. Nach Bezug sollen dann die bisher aus unserer Schule ausgelagerten Grundschulen zusammengeführt werden. Im Ort entstehen immer mehr neue kleine Hotels und Gaststätten, sodass die Nachfrage gedeckt werden kann. Das Gebäude von Karstadt wird nun auch weiter restauriert und zu einem Fitness-Gesundheitszentrum ausgebaut. Da auch das ehemalige Magazin (wo einst das Geschäftshaus Kaiser-Kaffegeschäft, Rundfunk Banke und Schuh-Reese stand) wird zurzeit umgebaut. Geplant ist im Erdgeschoss ein Restaurant und darüber Hotelzimmer. Die alte Königsberger Straße erhält dadurch wieder ein gefälligeres Gesicht. Ganz langsam entwickelt sich die Stadt zu einem annehmbaren Ort für Touristen. Es werden auch die durch den Frost stark in Mitleidenschaft gezogenen Straßenbeläge geflickt und die Bordsteinkanten und Fußgängerüberwege mit neuem Anstrich versehen. Ihr Klaus A. Lunau
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Report aus Cranz/Selenogradsk I/2011 Da ich zum letzten Weihnachtsfest nicht nach Cranz gefahren bin, kann ich für das letzte Quartal nicht viel über Cranz und Umgebung berichten. Zwar ist ab etwa Weihnachten sehr viel Schnee gefallen – bis zu ca. einem Meter hoch – dafür hielten sich die Minustemperaturen in Grenzen, sodass die See nicht zufror. Die Räumdienste kamen nicht hinterher und somit waren viele Nebenstraßen nicht befahrbar. Wie zu unserer Zeit lag der Kurbetrieb in den Wintermonaten ziemlich brach, zumal das Sanatorium „Tschaika“ am Korso weiterhin geschlossen ist. Der starke Schneefall ist für die vielen angefangenen Bauten/Bauruinen nicht gerade besonders förderlich. Wie aus eingeweihten Kreisen zu erfahren war, ist vorgesehen, dass Cranz/Selenogradsk von der „Torte Fußballweltmeisterschaft“ auch ein Stückchen abbekommen soll. So sollen wohl Trainings- und Übernachtungseinrichtungen für Mannschaften, die in Königsberg spielen werden, geschaffen werden. Dadurch bekommen wir dann in Cranz wohl endlich ein ordentliches Stadion und Unterkunft mit entsprechenden Sanitär- u. Fitnessanlagen einschließlich Schwimmhalle? Hier bietet sich eigentlich die Bauruine von GASPROM am Korso (wo einst das Strandhotel, Hotel zum Elch und altes – zweites – Kurhaus standen) an. Sicher brauchen hier nur kleine Umbauten vorgenommen werden. Es ist fast alles – einschl. Schwimmbad – vorhanden und könnte mind. zwei Mannschaften beherbergen. Gebaut werden müssten dann nur noch entsprechende Hotels für vor allem ausländische Gäste. Wollen wir hoffen, dass bis dahin die neue „Promenade“ – mit ihren Autobahnmaßen – fertig gestellt ist. Der Ansatz zu eine Art Seesteg bzw. „Kaimauer“ ist jetzt auch schon erkennbar. Ich hoffe, dass ich im nächsten Samlandbrief Fotos zeigen kann.
So sieht „Küstenschutz“ heute aus - verzweifelter Versuch etwas Düne zu erhalten. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass unsere Buhnen auch erneut „zum Leben erweckt“ werden, um wieder etwas Strand vor der Promenade zu erhalten. Buhne 12 und 13 sowie der Strand vor SAMBIA beweisen doch ihren Wert für die Sandgewinnung. Vielleicht können wir den neuen Gouverneur überzeugen, um Moskau zu gewinnen. Die ganze Kurzone wird von Moskau direkt verwaltet!
Reste von Buhne 3 Nähe Fischerplatz West bei Niedrigwasser - etwas Strand kann noch gehalten werden. Weitere kommen noch. Die Preise für Lebensmittel sind inzwischen weiter gestiegen. Weitere Einzelheiten zu Visumanträgen und Einreisemöglichkeiten erfahren Sie unter der Rubrik Notizen aus dem Samland auf Seite 66. Ihr Klaus Lunau |
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Report aus Cranz/Selenogradsk IV/2010 Das „Hauptproblem“ in Cranz/Selenogradsk war in der Berichtszeit die bevorstehende Wahl zum Stadtrat. „Werbegeschenk“ für eine Unterschrift lag bei 500 Rubel und nochmals mindestens der gleiche Betrag am Wahltag. Es wurde teilweise wieder sehr viel „Dreck“ verschleudert! Von Gewaltakten, wie bei vorherigen Wahlen, war diesmal zum Glück nichts zu hören. Natürlich blieb das Thema „Promenade“ nach wie vor ein Hauptgesprächsthema in der Stadt. Fast bis zum Ende der Berichtszeit war der Hauptabschnitt der Promenade durch den hohen Zaun gesperrt und am Fischerplatz West musste man weiterhin den gefährlichen Abstieg zum Strand benutzen. Die vorzeitige Öffnung der ersten Treppe wurde von den Badegästen praktisch erzwungen. Mit Öffnung des gesamten Abschnitts am Fischerplatz West konnte man feststellen, dass das neue Geländer, das angeblich aus nicht rostendem Stahl gefertigt wurde, bereits erste Roststellen trugen. Die Bauarbeiter waren auch nicht sehr pfleglich mit den gerade neu erstellten Treppen umgegangen, sie hatten bei Eröffnung bereits viele abgestoßene Stellen. Vor der neuen Promenade wurde weder der Bauschutt noch die vielen zur Seite geräumten großen Steine und Findlinge entfernt. So blieb auf den wenigen Metern verbliebenen „Strand“ kaum Platz zum Hinlegen!
Bild 1 Der mit Steinen und Betonresten übersäte Strand. Mit Beginn der Herbstperiode, die sofort mit einem Orkan eröffnet wurde, ging dann auch noch diese letzten Strand-Meter verloren. Was aus der Bauruine (wo einst das Hotel Schloss am Meer stand) wird, ist immer noch nicht abzusehen. Bisher wurde hier der neue Promenadenteil ausgespart. Der Hauptteil der Promenade, vom Corso bis Klein Berlin ist immer noch gesperrt. Wann hier die neue Promenade fertig ist, war nicht zu erfahren. Es war zu hören, dass wohl schon das Geld knapp würde. Hätte man auf uns gehört, nur die „Betonnade“ restauriert und die zur Verfügung stehende Summe lieber in den Ausbau der Buhnen gesteckt, wäre viel Geld zweckmäßiger verwendet und in wenigen Jahren so viel Sandablagerungen angespült worden, sodass wieder Badegästen auf der gesamten Promenadenlänge Platz zum Sonnenbaden hätten finden können. Nur so wäre das gesteckte Ziel, „den Ort wieder zu einem renommierten Badeort wie einst Cranz zu machen“ zu erreichen gewesen. So aber haben wir ein „Ostseebad“ ohne eigenen Badestrand!
Bild 6 Bei stürmischem Wetter und bewegter See ist die neue, verbreiterte Promenade eher Anziehungspunkt für Naturliebhaber, von denen es aber scheinbar nicht so viele gibt. Außerdem wären die „Müllablagerungsstellen“ und „Rattensammelplätze“ (unter der Promenade) erspart geblieben. Wie lange die Betonpfeiler dem Seewasser standhalten werden, ist nicht abzusehen. Die Promandenoberfläche ist anscheinend ohne Gefälle angelegt worden, weil beim Regen überall bereits erste große Pfützen zu finden waren! Alles in allem kann man sagen, ein deutscher Bauaufsichtsbeamter würde sich „die Haare raufen“! Obwohl überall in Cranz viele Wohnungen und Häuser leer stehen, wird überall lustig weiter gebaut. Dadurch purzeln natürlich die Wohnungspreise gewaltig. In der Königsberger Straße geht nun endlich die Restauration des Hauses Casemir (neben dem Kurhaus) der Fertigstellung entgegen.
Bild 2 Der Eingangsbereich ist noch durch einen hohen Bauzaun verdeckt, die oberen Etagen wirken in der Gestaltung aber bereits sehr ansprechend. Das Haus macht jetzt wieder einen sehr guten Eindruck und ist, trotz seiner Aufstockung, ein Schmuckstück für diesen Teil der Straße. Hier sollen u. a. Geschäfte und ein Hotel einziehen. Das Gebäude Karstadt/Struwes Hotel/ Rotes Haus steht weiterhin in „Wartestellung“, d. h. ohne Dach jeglicher Witterung ausgesetzt, wie auch viele andere Bauten in der Stadt. Der Herbst hat mit der Verfärbung der Bäume der Stadt schon sein malerisches Tuch übergestülpt. Bei diesem Anblick haben wir früher angefangen die Wohnungen durch Verkleben der Fensterspalten, Anbringen von Decken vor den Fensterbrettern etc. auf den Winter vorzubereiten. Es ist schon verwunderlich, wenn man so in Gedanken versunken durch die Heimatstraßen geht und die zum Glück noch vielen alten Häuser sieht, dann hat man oft den Eindruck, dass die Zeit stehen geblieben ist. So geht es jedenfalls mir. Es kann natürlich damit zusammenhängen, dass ich so oft hier sein kann und die „Änderungen der Zeit“ (nennen wir es so!) einfach nicht zur Kenntnis nehme. Heimat ist Heimat!
Bild 3 Die Seestraße mit den kleinen Häuschen und den Gärten im herbstlichen Gewand erinnert an frühere Zeiten. Der Umbau des Wasserturms ist mal wieder gestoppt worden! Angeblich ist aus Denkmalschutzgründen (zu viele Fenster in der Kuppel) der Stopp ausgesprochen worden. Ich habe in der Zwischenzeit mit dem Denkmalschutzbeauftragten in Königsberg darüber gesprochen und er hat mir Prüfung versprochen. Meiner Meinung nach stört es das Bild des Turms überhaupt nicht, wenn die Kuppel, so wie sie jetzt gebaut ist, fertig gestellt wird. Der Wert als Aussichtsplattform liegt m. E. höher wegen der Wichtigkeit für Touristen, als das alte, sehr trostlose Aussehen des fensterlosen Gebildes! Am 15. August konnten wir, während einer kleinen Gedenkfeier mit Konsul Birmans – ständiger Vertreter des deutschen Generalkonsuls – endlich das vom Verein Freunde von Cranz gestiftete marmorne Gedenkmedaillon von Königin Luise an der ehemaligen Posthalterei (später Forsthaus an der Beekstr.) enthüllen. Ein Kinderchor umrahmte die Feierstunde mit deutschen Kinderliedern. Damit wurde wieder ein weiteres Glied des geplanten „Königin-Luise-Pfades“ fertig gestellt.
Bild 4 Klaus Lunau, Natalia Schumilowa und Konsul Birmans vor dem Königin-Luise-Gedenkmedaillon. Für ihren Einsatz für die deutsch-russischen Beziehungen und ihren besonderen Einsatz für die Verwirklichung der Idee des Königin-Luise-Pfades habe ich der Bibliothekarin Natalia Schumilowa eine Urkunde, unterschrieben vom deutschen Generalkonsul in Königsberg, Dr. Fenster, in einer kleinen Feierstunde überreicht.
Bild 5 Die Bibliothekarin Natalia Schumilowa freut sich über die Ehrung für ihrer Bemühungen für die deutsch-russischen Beziehungen. Unser Cranzer Museum feierte im Rahmen einer Feierstunde im neuen Kursaal mit vielen geladenen Gästen das 10-jährige Bestehen, in der ich für die wertvolle Arbeit „unserer Lena“ und ihren Mitarbeitern in einer kurzen Ansprache im Namen der ehemaligen Cranzer dankte. Bei einem Symposium über die Kurorte an der Samlandküste hatte ich die Möglichkeit auf die Unterschiede zwischen den Kurorten zu unserer Zeit und heute hinzuweisen. In aller Deutlichkeit wies ich darauf hin, was meiner Meinung nach viele Touristen davon abhält in das Königsberger Gebiet zu kommen. Wie groß der Unterschied zu deutschen Badeorten heute ist und was besonders negativ wirkt, wobei ich auch ausdrücklich auf den Küstenschutz einging. Mein Vortrag, in großen Teilen in der örtlichen Presse abgedruckt, hat ein starkes Echo ausgelöst und wurde viel diskutiert. Auch bei einem Vortrag vor staatlich ausgebildeten Touristenführern in Königsberger Gebiet konnte ich meine Auffassung über die negativen Seiten der Behandlung von Touristen erläutern und Vorschläge und Hinweise zur Verbesserung der Planung und Durchführung von Ausflügen und Führungen sowie Betreuung vor Ort geben. Selbstverständlich wurde dabei auch das Visumproblem angesprochen. Ich sollte aus Gründen der Fairness jedoch erwähnen, dass es langsam, aber sicher auch bergauf geht. Viele Bürgersteige und Fahrbahnen wurden in Ordnung gebracht, man sieht sogar schon Verkäuferinnen und Bedienungen in den Hotels, die lächeln! An Zebrastreifen halten heute schon viele Autofahrer an und die Straßen sind sauber. An manchen Tagen gibt es auch nachts nach 24 Uhr fließend Wasser und fast die ganze Nacht Straßenbeleuchtung! Der Markt ist gut ausgebaut und auch bei Regen zu begehen. Die neue Schule wird auch bald – irgend wann – fertig gestellt und man ist bemüht, die langen Schlangen an den Kassen der Bank durch Aufstellen von Automaten – die meist auch funktionieren – zu verkürzen. Wollen wir hoffen, dass in diesem Jahr der Winter nicht ganz so kalt wird und das nächste Jahr mehr positive Ereignisse beschert als das nun langsam auslaufende. Ihr Klaus A. Lunau
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Report aus Cranz/Selenogradsk III/2010 Alles drehte sich in der Berichtszeit vor allem um das Thema „neue Promenade“. Wer auf das angekündigte Fertigstellungsdatum eine Wette abgeschlossen hätte, der läge – wie hier eigentlich üblich – natürlich voll daneben. Hatte man mir bei meinem letzten Besuch noch versichert, dass die Eröffnung ganz sicher Anfang Juni stattfinden würde, wurde bei meiner Ankunft gegen Ende Juni gesagt, es wäre eine kleine Verzögerung eingetreten. Da aber noch kein Stückchen Geländer zu sehen ist – es kommt aus St. Petersburg – wird wohl auch zum Stadtfest am 8. August die neue Promenade nicht betreten werden dürfen. Sinnigerweise hat man natürlich den Absperrzaun so hoch gemacht, dass man die See nur von „Klein Berlin“ an sehen kann! Die durchreisenden Besuchergruppen können nur das Rauschen der See erleben! Ist schon eine tolle Sache für einen Badeort und das, obwohl bei vielen Tourismusmessen in Deutschland und anderen Stellen in Europa für den Besuch geworben wird! Wer in Cranz/Selenogradsk heute zum Baden nach unten zur See will, muss entweder lange Wege bis zur nächsten Treppe in Westende zurücklegen oder sich beim steilen Abstieg auf einem steinigen Trampelpfad in Gefahr begeben abzurutschen und unten auf den großen Findlingen zu landen, wie nebenstehend zu sehen.
Hinter dem Hotel SAMBIA am Ostende der Promenade (früher Ostbad) kann man am dicht bevölkerten Strand zwischen leeren Flaschen, Kippen und Essenresten eventuell einen Platz an der Sonne finden. Dieser Teil des Strandes liegt außerhalb des „offiziellen“ Badestrandes und wird nicht überwacht. Da die alte Betonnade zwischen Westende und „Klein Berlin“ (heute Windrose-Platz) total gesperrt ist, müssen alle Badewilligen aus dem Ort oder mit Bus und Bahn Anreisende durch die ganze Stadt laufen, um zu diesem Strandabschnitt zu kommen, der auf dem Foto auf der nächsten Seite zu sehen ist.
Wie ich bereits bei der Planung der neuen Promenade mit ihren „Betonstelzen“ voraussagte, bietet sich jetzt der Platz unter dem Neubau als „Toilettenersatz“ sowie Müllablageplatz an, eine Fundgrube für Ratten, Möwen, Krähen und Tauben sowie streunende Hunde!
Etwas Strand kann man noch – je nach Windrichtung – in Höhe des ehemaligen Fischerplatz West finden. Auch vor dem Hotel SAMBIA (vormals Hotel Hohenzollern) ist am Strand die Welt noch/wieder in Ordnung. Auf Kosten des Hotels wurden, wie ich schon berichtete, die alten deutschen Buhnen mit Findlingen aufgefüllt und können seitdem ihre ursprüngliche Funktion als Wellenbrecher wieder ausführen. Das macht sich durch echten Strandgewinn bemerkbar, was einige russische „Experten“ nicht wahr haben wollen. So langsam geht auch der Ausbau des Wasserturms seiner Vollendung entgegen. Die Aussichtsplattform und das Café in der Kuppel sehen von außen schon sehr gut aus. Bisher konnte ich noch keinen Kontakt zum Eigentümer wiederherstellen. Ich hoffe aber, dass ich ihn irgendwann erreiche, um mir dann einen genauen Überblick vom Inneren zu verschaffen. Mit Fertigstellung der Kuppel wird Cranz endlich wieder über eine echte Attraktion verfügen, die auf Touristen anziehend wirken wird.
Was aus der Bauruine Priboy auf dem Korso (wo das „Schloss am Meer“ stand) werden wird, ist noch immer nicht klar. Angeblich ist der Besitzer aufgefordert worden, die Ruine zu beseitigen, doch wer kümmert sich schon um Aufforderungen – zumal, wenn man aus Moskau kommt. Der Schulneubau an der Beekstraße geht auch so langsam der Fertigstellung entgegen, doch bis zum Einzug wird wohl noch viel Wasser der Beek ins Haff fließen. Der Busverkehr nach Königsberg wird zwar laufend durch zusätzliche Fahrten etwas entlastet, doch reichen die – besonders an heißen Tagen und am Wochenende – nicht aus, um die ausgefallenen Züge zu ersetzen. Einige Busse haben überhaupt keine, andere sehr schwache Klimaanlagen, die es nicht schaffen eine erträgliche Belüftung zu erreichen und das bei ständig überfüllten Bussen. Wieder wurden neue Lokale und Imbissbuden eröffnet und ältere renoviert und erweitert. Dadurch hat Cranz jetzt ausreichend Stellen, um alle kulinarischen Bedürfnisse von Touristen und Tagesgästen zu befriedigen. Auch das Bettenangebot scheint inzwischen ausreichend zu sein. Allmählich bereitet sich Selenogradsk auf den „Tag der Stadt“ vor. Da werden sogar die Bordsteine an den Straßen neu gestrichen. In diesem Jahr sind die Mücken in Cranz besonders aktiv. Da helfen alle elektrischen und sonstigen Abwehrgeräte in der Wohnung nicht! Besonders abends kann man kaum im Garten sitzen. Ich kann mich nicht entsinnen, dass wir zu unserer Zeit Mücken in den Wohnungen hatten – oder irre ich mich? Als großer Mückenhauptbrutplatz steht der Storchenteich an erster Stelle. Der Teich ist seit Jahren nicht mehr gesäubert und sieht aus wie eine Müllhalde. Allerdings stehen auch viele Keller von den Plattenbauten unter Wasser und sind total verseucht, doch keiner kümmert sich darum. Am Haus Casemir – unten gab es die Geschäfte Uhren u. Schmuck Nöthe, Frisör Bast, Schreibwaren May, Tabak & Zigaretten etc. Peter – werden bereits die letzten Feinheiten an der Vorderseite erledigt. Das Haus hat, abgesehen von dem zusätzlichen Stockwerk und dem hellgrünen Anstrich, wieder sein Originalaussehen erhalten. Sobald die Gerüste entfernt sind, wird die Königsberger Straße ein weiteres Stück aufgewertet und erhält so nach und nach wieder den Anblick einer einladenden Geschäftsstraße. Es müsste allerdings der Straßenbelag der Fußgängerzone angepasst werden. Während die Anzahl der streunenden Hunde und Katzen weiter zunimmt, halten sich die Trunkenheitsdelikte weiterhin in Grenzen. |
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Report aus Cranz II/2010
Wie nun schon üblich, beginne ich natürlich meinen Bericht mit dem Fortschritt der Bauarbeiten am Wasserturm und an der Promenade: Selbstverständlich sind die Arbeiten am Wasserturm nicht sofort zu erkennen, wenn man das Bild rechts mit dem im letzten Report vergleicht. Außen wurde, witterungsbedingt, lediglich an der Turmspitze gearbeitet. Der Innenausbau ging soweit möglich weiter.
An der Promenade wurde fast ununterbrochen weitergemacht. Hier will man schließlich möglichst im Juni, spätestens aber zum Stadtfest Anfang August mit dem Abschnitt zwischen Fischerplatz West und Monopol fertig werden. Was aus der Bauruine wird (wo das Hotel Schloss am Meer stand), ist immer noch nicht geklärt. Da gehen die Meinungen auseinander zwischen Abriss und Wiederaufbau. Wie auf dem Foto auf Seite 64 zu sehen ist, wird die neue Promenade in der gleichen Art und Breite erstellt, wie der erste Bauabschnitt am Ostbad, ich berichtete mehrfach darüber
Auf dem Markt ist jetzt endlich – nach langer Einrichtungszeit – das Café eröffnet worden. Hier kann man während der Marktzeit sehr gut und preiswert essen. Auch die Stände für die „Markt-Omas“, die hier ihre Datsche-Erzeugnisse verkaufen, wurden neu errichtet und ordentlich überdacht. Der ganze Markt macht jetzt endlich einen sauberen und hygienischen Eindruck. Der Neubau der Markt-Parzellen ist gut angenommen worden und bietet ein reichhaltiges Angebot.
So nach und nach verschwinden immer mehr Kioske aus dem Stadtbild und es entstehen immer mehr richtige Geschäfte. Die ehemalige Königsberger Straße erhält so allmählich ihr Gesicht als Haupteinkaufsstraße wieder zurück. Das Warenangebot wird auch reichhaltiger. Nur bei der Herrichtung der Schaufenster als Blickfang hinkt man noch weit hinter europäischen Verhältnissen hinterher. Dagegen ist das Angebot an Cafés, Restaurants und Hotels schon sehr reichhaltig. In den meisten Einrichtungen wird neben der heimatlichen Kost auch ein gut sortiertes europäisches Speisenangebot präsentiert und meist auch zu relativ annehmbaren Preisen. Zwar fehlt noch meist auf den Speisekarten eine Übersetzung in lateinischer Schrift, aber das kommt sicher auch noch. Eigentlich wurde die ganze letzte Zeit Cranz nur von einem Thema beherrscht und zwar „Wahlen“. Wann immer man in eine Zeitung schaute oder Gespräche hörte, ging es nur darum „wer hat versucht wen zu bestechen/kaufen“. In den Zeitungen fanden reguläre „Schlammschlachten“ statt! Die meisten Namen der vielen Kandidaten für das Amt des Rayonchefs (Landrat) hatte man vorher noch nie gehört. Das Endergebnis zeigte dann eine ausreichende Mehrheit für den bisherigen Rayonchef Gubarov. Bei meinem ersten Gespräch mit ihm nach der Wahl über die Pläne für die Zukunft des Rayon Selenogradsk(Cranz) hörte sich alles sehr positiv an. Gubarov wies nochmals darauf hin, dass der gesamte Küstenabschnitt – also Strand und Promenade – der Regierung in Moskau direkt untersteht und die hiesige Verwaltung kein Mitspracherecht hat. So konnte es z. B. passieren, dass bei der Planung des Promenadenneubaus der Strandzugang für das Rettungsboot der Rettungswache nicht berücksichtigt wurde - peinlich! – nun klafft da in der neuen Promenade ein „Loch“ und wir sind gespannt, wie Abhilfe geschaffen wird?
Obwohl die Preise für die vielen leer stehenden Eigentumswohnungen stark gesunken sind, hält der Bauboom z. B. an der Graf-Kayserling-Straße und auch im Neubaugebiet an der Straße nach Wosegau immer noch an. Der letzte Teil des recht langen Winters und auch das Frühjahr zeigten sich in Cranz genau so unterschiedlich wie hier im Westen. Etwas Schnee gab es nur selten und die See war auch nicht fest zugefroren, obwohl vor allem nachts die Temperaturen oft sehr tief sanken. Nur die Buhnenpfähle trugen wieder ihre Eishauben. War der größte Teil der Ostsee mit einer durchgehenden, recht dicken Eisdecke bedeckt und legte stellenweise sogar den Schiffsverkehr lahm, gab es in der Cranzer Bucht nur eine dicke Eismatschschicht. Wie ich schon im letzten Report ausführlich beschrieb, gibt es im „Königin-Luise-Jahr“ einige Aktionen in Cranz. Der Luisenpark und auch der Bereich Posthalterei nehmen Formen an, wie man auf dem Bild auf der nächsten Seite erkennen kann. Wenn das Wetter es erlaubt, dann soll alles spätestens zum Stadtfest Anfang August eingeweiht werden, allerdings sind wir noch auf der Suche nach Sponsoren für die vorgesehenen Figuren und auch für einige weitere Bänke ist noch Platz vorhanden! Dieser kleine Park mit den geplanten Figuren kann Erinnerungen an den früheren „Floraplatz“ vor dem Plantageneingang wecken.
Der Bau der neuen Schule an der Beekstraße schreitet weiter voran. Mit seiner Fertigstellung wird dann wohl endlich der Zweischichten-Schulbetrieb ein Ende haben und alle Schularten unter einem Dach vereinen, d. h. räumlich unter zwei Dächern, da die alte Schule weiter genutzt wird. Die beiden bisher getrennt arbeitenden Grundschulen werden aufgelöst. Die Verlegung von Gasleitungen und besonders das Anschließen der Haushalte geht weiter, aufgrund der sehr, sehr schleppenden und überdimensionierten Bearbeitung der Anträge durch Beteiligung von über zehn Behörden/Gutachtern etc. nur langsam voran. Eine Bearbeitungszeit von zwei Jahren ist keine Seltenheit. Dazu muss auch jegliche Tätigkeit einer beteiligten Stelle gesondert bezahlt werden! So müssen wir weiter davon ausgehen, dass nach wie vor viele Häuser mit Kohleöfen geheizt werden und so die schöne Winterluft im „Kurort“ verpesten! Das Sanatorium „Tschaika“ am Corso ist nun endgültig wegen Konkurs geschlossen und beherbergt keine Gäste mehr. Das Sanatorium „Selenogradsk“ mit Hauptsitz im neuen Gebäude Ecke Schubertstraße/Strandstraße (dazu gehören u. a. die Gebäude Villa Margarete, neues Gebäude, wo Monopol stand, Reste Wirtschaftsgebäude Monopol heute u. a. Cafe Cranz) ist weiterhin voll in Betrieb und bietet auch Ausländern sehr preiswert Kuren an. Auskunft (nur russisch!) Tel. 007-40150-32952 / Fax 32937 / E-Mail: zelenogradsk_san@mail.ru. Man kann allerdings auch vom Hotel aus vor Ort Kuranwendungen buchen. Alle Anwendungen sind sehr preiswert. Im Sanatorium wurde empfohlen, dass deutsche Gäste lieber diese Kurart wählen sollen, da im Sanatorium die Unterkunft sowie die Verpflegung „sehr russisch einfach“ sind und wohl kaum deutschen Erwartungen entsprechen. Übrigens ist unsere alte Warmwasser- und Moorbadeanstalt im Kattegatt total abgebrannt und nur noch als Ruine zu besichtigen. Die neue Badeanstalt ist sauber und hygienisch einwandfrei. Ebenso empfehle ich das kostenfreie Trinken des Heilwassers aus dem Luisenbrunnen auf dem Corso, wenn Sie Cranz besuchen! Noch ein Hinweis für Cranzbesucher: Zurzeit, bis mindestens Juni, können Sie nur am alten Marktplatz (Klein Berlin) auf die Promenade gelangen, die von hier ab in Richtung Ostbad betreten werden darf. Der Rest der Promenade in westlicher Richtung ist durch einen hohen Zaun versperrt! Nach wie vor wird im Ort um ein Uhr nachts die Straßenbeleuchtung abgeschaltet. Der Kurswert des EURO ist rapide gefallen, zurzeit ist das Verhältnis 1 Euro zu 39 Rubel. Klaus A. Lunau |
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Report aus Cranz I/2010 In der Heimat hat sich im letzten Quartal so allerhand ereignet. Der Bauboom bei Hotels und Gaststätten hält unvermindert an. War früher z.B. „Klein Potsdam“ (Fischer- und Seestraße) eher ein etwas vernachlässigter Teil von Cranz (es gab z. B. keinen Wasseranschluss), so entwickelt sich die Fischerstraße zu einer „Hotelmeile“. Neben den bereits seit einigen Jahren bestehenden Hotels entstehen zurzeit drei neue. Daneben wurden und werden weitere Restaurationen (heute nennt man das „Cafes“) in der Seestraße, Dr.-Kessel-Str. und Graf-Kayserlingk-Str. errichtet. Ganz neu und sehr ansprechend ist auch das an der Ecke Wikingerstr./Mühlenberg umgebaute Haus unter dem Namen „Logierhaus“.
Wasserturm Der Wasserturm geht jetzt auch seiner Vollendung entgegen. Außer dem Café und Aussichtsplattform wird im Turm ein „Katzenmuseum“ eingerichtet. Hier haben wir dann endlich, nach vielen Planungen, Änderungen und Beginn von Bauarbeiten einen schönen Anziehungspunkt für Besucher. Dieses Jahr haben wir wegen ihres 200. Todesjahres das „Luisenjahr“, das wir in Cranz/Selenogradsk würdig begehen wollen. Aus diesem Anlass wird eine Art „Luisenpfad“ in Cranz angelegt, der von der ehemaligen Oberförsterei zum Hospiz führt. Hier soll zwischen dem Hospiz-Gebäude (ehem. Ostseehotel) und dem Markt ein kleiner „Luisenpark“ (s. Zeichnungen auf der rechten Seite) angelegt werden, in dem neben Ruhebänken und Kinderspielecke ein Bibliothekspavillion gebaut wird – in dem u. a. Literatur und Informationen über die Königin Luise ausgelegt werden. Von hier führt der Pfad dann weiter über die „Freundschaftsallee“ (Korso) zum Luisenbrunnen, wo man dann kostenlos Heilwasser trinken kann. Wie Sie wissen, hat die Königin Luise während ihrer Flucht vor Napoleon im Januar 1807 in der Posthalterei Cranzkrug einen Zwischenaufenthalt eingelegt. Um u. a. das Haus, als eines der ältesten in Cranz, unter Denkmalschutz zu stellen und so für die Nachwelt zu erhalten, haben wir auf Initiative der Bibliothekarin Natalia Schumilova und der Hausbewohner der zu unserer Zeit als Oberförsterei genutzten ehemaligen Posthalterei, sowie einem russischen Sponsor angefangen, dort eine Erinnerungsstätte zu errichten. Durch die Finanzkrise bedingt, konnte der zugesagte Betrag für die Rekonstruktion des Daches nicht mehr eingebracht werden. (Es werden noch Sponsoren gesucht!) Der Verein „Freunde von Cranz/Selenogradsk“ hat die Finanzierung einer Gedenktafel übernommen, wofür ich hiermit – im Namen aller Beteiligten – unseren herzlichen Dank aussprechen möchte. Hier sei gleich noch vermerkt, dass in Absprache mit Horst Dietrich der Verein auch eine Erinnerungstafel für die Baptistenkapelle, in der heute das Museum untergebracht ist, finanziert hat. Beide Tafeln sind zurzeit in Arbeit. Da der Bürgermeister von Selenogradsk das Anbringen von solchen Tafeln an ehemaligen öffentlichen Gebäuden der Gemeinde Cranz sehr begrüßt, will der Verein lobenswerterweise die Fortsetzung dieser Aktion weiterhin finanzieren. So können Touristen und vor allem die Nachkommen von ehemaligen Cranzern lesen, was diese Gebäude einstmals darstellten.
Bahnhofstrasse Mit einer weiteren, bedingt lobenswerten Nachricht kann ich noch aufwarten: Der Bau der neuen Promenade kommt zwischen Fischerplatz West und Hotel „Schloss am Meer“ trotz des teilweise widrigen Wetters weiter voran. Allerdings entsteht hier das gleiche, hässliche Betonmonster von ca. 10 Metern Breite, das die letzten Fleckchen Strand durch seine unansehnlichen Betonpfeiler verschluckt. Von der Seeseite betrachtet sieht das alles wie eine schäbige Kaianlage in einem Fischereihafen aus. Von dem Flair einer Flaniermeile der einstigen „Perle der preußischen Riviera“ ist hier aber auch kein Fünkchen geblieben! Die alte hässliche „Betonnade“ hatte da wenigstens noch – wenn auch nur teilweise - ein Stückchen Strand gelassen und die alte Wand wirkte nicht so abstoßend – bis auf die Mauer. Wie man damit jetzt noch das gesteckte Ziel erreichen will, Cranz/Selenogradsk wieder zur Nr. 1 unter den Badeorten an der Samlandküste zu machen, ist mir schleierhaft!
Schule Die ganze Konstruktion, ohne jeglichen Akzent für „Schönheit am Bau“, sieht danach aus, als richte man alles dafür her, dass die See in Zukunft auf gesamter Breite ständig direkt an der Mauer stehen wird. Für den vorgelagerten Schutz durch Wellenbrecher/Buhnen, als Voraussetzung auch für eine Sandgewinnung, wird nichts getan. Der Winter hat sich bisher, bis auf starke, sehr kalte Stürme, nur durch Temperaturen bis um die 15° Minus fast ohne Schnee gezeigt. Die erwartete Schneedecke war im Schnitt nicht höher als ca. 5 cm. Es reichte in der Regel jedoch aus, um die Umgebung wieder zu einer unverwundet aussehenden Landschaft zu gestalten. Da fühlte ich mich noch mehr zu Hause! Die Knallerei in der Neujahrsnacht hielt sich in diesem Jahr in Grenzen. Zwar wurde, aufgrund der 10 gesetzlichen Feiertage viel gefeiert, aber es blieb alles wie in den Jahren zuvor. Teilweise hatten sogar einige Geschäfte auf, während bei Behörden und Ämtern die Türen verschlossen blieben. Natürlich schloss sich unsere Bahn nach Königsberg fast ganztägig der Feierlaune an und man war auf die Busse angewiesen. Die Autobahn zwischen Königsberg und Garbeek ist jetzt auf ganzer Strecke für den Verkehr geöffnet und man darf – bis auf einige kleine Strecken – durchgehend 110 km/h fahren. Man kommt jetzt also in knapp 20 Minuten von Königsberg nach Cranz. Ab Garbeek findet man aber immer noch die alte, zweispurige Straße vor. Das merkt man dann, wenn nicht durch Stau, mindestens an den alten, bekannten Schlaglöchern. Das alte Sanatorium Tschaika (der große Bau am Korso/Korsostraße) ist wegen Konkurses ganz geschlossen, nachdem man gerade die Außenanlagen und durch Renovierung der Nebengebäude alles schön in Ordnung gebracht hatte. Die dazugehörende Ruine Priboij steht immer noch bzw. nun wieder zum Verkauf. Ich bin gespannt, wie sich diese Ruine auf die Promenadengestaltung auswirkt. Der Ausbau des Gebäudes Karstadt/Rotes Haus ist witterungsbedingt wieder eingestellt, ebenso der des Geschäftsbaus am Markt neben dem Schulweg. Der Schulneubau an der Beekstraße wird auch „langsam, aber sicher“ weitergeführt. Die Preise für Wohnungen purzeln weiter, dagegen steigen die Kurswerte des Rubel zurzeit etwa 1 € zu 42 Rbl. Dadurch, dass das alte deutsche Rohrleitungssystem in die Jahre gekommen ist, haben wir immer öfters Wasserrohrbrüche und somit totale Sperrung. Der Wasserdruck wird deshalb so gedrosselt, dass man oft in den oberen Etagen so gut wie kein Wasser bekommt. Um Mitternacht wird sowieso täglich der Hahn zugedreht. Auch wird nach Mitternacht die Straßenbeleuchtung abgeschaltet – allerdings nicht auf der Autobahn! Klaus A. Lunau |
Klaus A. Lunau - Bahnhofstr. 14 - 30853 Langenhagen - Tel. 0511 773407 - Fax 0511 - 7684843
KALUN@ostseebad-cranz.de
Stand: Juli 2003